Interview mit Eric Holst (Teil 1): Blockchain, Bitcoins, Mining

Blockchain ist ein Buzzword, das seit einiger Zeit in IT-Kreisen heiß diskutiert wird und auch neue Geschäftsfelder für Rechenzentrumsbetreiber eröffnet. Wir haben mit Eric Holst gesprochen, Experte und Berater auf dem Gebiet. Im ersten Teil erklärt Eric, wie die Blockchain-Technologie funktioniert, wofür sie genutzt wird und wie man damit Geld verdienen kann.

 

Kannst Du uns kurz erklären was Blockchain ist und wie die Technologie funktioniert?

Blockchain ist wie das Internet ein Netzwerk, welches jedoch nach anderen Regeln spielt. Das Internet, wie wir es kennen, ist ein Netzwerk der Kopien. Wir senden immer nur einen Abzug unserer E-Mail, nicht die Datei die wir tatsächlich auf unseren Computer haben. Das ist super, um Informationen zu verbreiten. Doch es hat im selben Zuge Geschäfte von Verlagen, Zeitungen, Musikstudios und Musikern erschwert.

Blockchain ist jedoch ein Netzwerk, welches “Originale” schafft. Kein Datensatz kommt zweimal vor oder lässt sich fälschen. Dies wird durch eine neue Datenbank-Architektur ermöglicht, welche ohne zentralen Eigentümer oder Server auskommt, stattdessen werden die Daten auf allen teilnehmenden Netzwerkpunkten verteilt und gehört auch diesen. Damit diese jedoch geupdated wird, sorgt ein Konsens-Mechanismus dafür, dass alle Datenbanken den gleichen Stand besitzen und so auch alle Netzwerkteilnehmer transparent wissen, welche Transaktionen geschehen sind.

Ihren großen Vorteil zieht eine Blockchain daraus, dass Transaktionen nicht verändert werden können, sobald sie in einen Transaktionsblock gespeichert werden. Das geschieht dadurch, dass Transaktionen innerhalb eines Zeitrahmens auf einen Block kryptografisch gesichert werden. Diese sind nach diesem Schritt unveränderlich und geben allen anderen Akteuren die Sicherheit, dass die Daten tatsächlich den jeweiligen Besitzern gehören und keiner sich ein paar extra Nullen auf sein Konto hinzufügt.

Darüber hinaus sind Blockchains im ganzen Netzwerk verteilt, wodurch es keinen einzelnen Angriffspunkt für Hacker gibt. Das macht sie sehr viel sicherer als zentrale Datenbanken von Banken, Großkonzernen und Regierungen, welchen unsere vertraulichsten Daten speichern. Damit wird auch den Individuen sehr viel mehr Kontrolle über ihre Daten zugewiesen. Diese Lösung fordert die derzeitige Datenmonarchie von einzelnen wenigen Internetriesenkraken heraus und stellt ihr eine Datendemokratie von digital souveränen Bürgern entgegen.

 

Wofür wird Blockchain genutzt? Welche Anwendungsfelder gibt es?

Blockchain bekommt häufig den beinamen “das vertrauenslose Netzwerk”, denn die Transparenz und die Unveränderbarkeit der Daten sorgt dafür, dass wir ohne Bedenken mit anderen Teilnehmern handeln können. Das ist der Mächtige “Peer-to-Peer”-Gedanke, welcher das Geschäftsmodell von vielen Unternehmen kritisch in Frage stellen wird.

Der erste und berühmteste Anwendungsfall sind Bitcoins. Auch diese laufen auf ihrer eigenen Blockchain und ermöglichten den einmaligen Fall, dass ohne Bank, Clearinghaus, Geldautomat, Zentralbank, Gesetz, Regulierung oder ähnliches Geld, bzw. Kryptowährungen verschickt werden können. Kryptowährungen sind somit das Geldmittel des Internets, während alles andere nur die digitalisierte Variante eines bürokratischen Prozedere ist.

Fakt ist, dass für viele Ideen die Einstiegshürde zur Umsetzung wesentlich gesenkt wurde und Geschäftsideen nicht mehr Konzernen und Großbanken vorenthalten ist. Was kommt nach Bitcoin? Das weiß ich nicht. Doch viele Probleme unserer Zeit verlangen nach innovativen Lösungen, ob im Finanzbereich oder in jeder anderen Industrie.

Blockchain im Fintech-Bereich wird zuallererst Überweisungen wesentlich einfacher und günstiger machen, ob wir Millionen oder Cents überweisen, die Gebühren würden diese Beträge würden nicht durch Gebühren aufgefressen. Das ist einerseits spannend für den internationalen Handel, ohne dass hier der IMF oder WTO extra Regeln aufstellt. Zugleich auch für meine Mutter spannend, wenn sie Geld nach Mexiko zu ihrer Familie schickt und auch die komplette Summe ankommt.

Viel, viel spannender wird es, wenn ich in sich entwickelnde Länder schaue, welche eine Erfolgsgeschichte von Technologiesprüngen vorzeigt. Statt teure, zentrale und korruptionsanfällige Monolithen nachzubauen, wie wir es gemacht haben, können diese flexibler, demokratischer und dezentral neu erfunden werden, ohne aufwendige Verwaltung oder kräftige Wirtschaft die gleichen Services und Infrastrukturen günstiger umsetzen.

 

Lohnt es sich in Cryptowährungen wie Bitcoin zu investieren und wenn ja welche?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Unsere Währung baut auf dem Vertrauen auf, dass die EZB und Regierungen für dessen Wert sorgt. Doch derzeit haben wir praktisch Null Zinsen, welche bei durch die Inflation langsam wegschmilzt und so kann ich mich als einzelner Bürger schon sehr über die Zentralbänker ärgern.

Bitcoins ziehen ihr Vertrauen nicht nur daraus, dass Blockchain im Hintergrund alles am laufen hält, sondern auch weil Bitcoin auf 21 Millionen Coins begrenzt ist. Steigt die Nachfrage, steigt der Wert. Das sorgte letztlich dafür, dass Bitcoin im letzten Jahr von 604$ auf atemberaubende 3900$ hochgesprungen ist. Jeder Trader kriegt da nasse Hände, nicht nur wegen dem Anstieg, sondern auch wegen der Volatilität. Doch der Pfeil zeigt nach oben, auch wenn viele ein platzen der Blase verkünden und deswegen skeptisch Abstand nehmen.

Wenn man mit dem investieren beginnen will, sollte man sich nicht nach den Rat der anderen halten, sondern erst mal das eigene kleine Universum verstehen. Hat man die Basics der Technologie und den Sinn der Projekte verstanden, dann ist ein kleines Investment der nächste Schritt, welches nicht schmerzlich vermisst wird, wenn es daneben ging.

Ich kann nicht sagen, welches Projekt heiße Luft ist oder Substanz hat. Bei Startups sagen die Investoren-Weisheiten, dass 99% von ihnen scheitern werden. Bei Cryptowährungen ist es womöglich ähnlich, doch deren innovativer Einfluss auf analoge Währung wird bleiben.

 

In letzter Zeit hört man immer wieder den Begriff Mining in Bezug auf Cryptowährungen. Was hat es damit auf sich? Kann man damit Geld verdienen?

Für das Mining von neuen Blocks gibt es derzeit 12,5 Bitcoins plus Transaktionsgebühren als Lohn. Das ist eine Menge, wenn man den Kurs betrachtet. Doch in einem Peer-to-Peer-Netzwerk will jeder der Blockerzeuger sein und der Konsens-Prozess sorgt dafür, dass dies nur einer kann. Es gibt verschiedene Konsens-Prozesse, wie Proof-of-Work oder Proof-of-Stake. Proof-of-Work ist der von Bitcoin, und verlangt von den Mining-Teilnehmern eine sehr aufwendige Brute-Force-Rechnung. Das heißt, dass die Serverfarm heiß läuft, um die Berechnung durchzuführen und dieser Aufwand ist das Mining, wobei natürlich neben den Stromkosten auch die ganzen Anschaffungskosten anfallen.

Sind die Anforderungen der Rechenaufgabe als erster erfüllt, der neue Block ins Netzwerk kommuniziert und vom Protokoll als Richtig befunden, bekommt dieser Server die Blocks. Um die Chancen zu erhöhen gibt es riesige Serverfarmen oder Mining-Pools, welche natürlich auch extreme hohe Stromkosten erzeugen. Es ist nicht billig Bitcoins zu minen und sollte es auch nicht, denn Bitcoins sollten einen inhärenten Materialwert besitzen, in dem Fall die Server, der Strom und die Berechnungen.

 

 

Eric Holst ist Blockchain Experte und Product Owner des Blockchain Institutes bei der KI-Decentralized in Köln.